Der Flächennutzungsplan setzt auf Wachstum

Es ist zweifellos ein Verdienst von Frau Winkler, dass sich inzwischen eine breitere Öffentlichkeit mit dem Thema befasst, und das ist gut so. Wünschenswert wäre zudem, dass sich die Presse zukünftig im Detail mit dem Thema auseinander setzt und die aktuellen Entwicklungen auch im Regionalverband in die Betrachtung einbezieht. Unstrittig ist, dass die Kommunen bemüht sind, innerörtliche Flächen zu erschließen. Trotzdem, die meisten sind generell auf Wachstum programmiert. Auch wenn der Baggerbiss nicht gleich morgen kommt, so legt der jetzige Entwurf im Nachbarschaftsverband doch den Grundstein für die Entwicklung der nächsten 10 - 15 Jahre - und setzt ebenfalls auf Wachstum. Es gibt Kommunen, die bereits zusätzlichen Bedarf angemeldet haben. Nehmen wir dann halt mal 500 ha im Nachbarschaftsverband, dann sind das immerhin rund 1000 Fußballplätze. Nehmen wir dann zum Bsp. die Planungen der Ermstalgemeinden, Steinlachgemeinden und der Gemeinden im Unteramt dazu, dann kommen wir auf deutlich mehr Fläche. Der springende Punkt aber ist - niemand kennt bisher die genauen Zahlen, weil sie nicht zusammengeführt und nicht öffentlich gemacht werden. Der Nachbarschaftverband plant für sich, Metzingen plant für sich, Mössingen, Pliezhausen , Rottenburg - jeder plant für sich. Dabei sind die Flächenwünsche manchmal größer als die tatsächlichen Bedürfnisse. Im Maximalfall stehen im Verdichtungsraum 15 km im und um das Oberzentrum RT/TÜ 500 ha plus eine erhebliche Zahl X an Hektar Fläche in den bestehenden oder zukünftigen Flächennutzungsplänen der Kommunen.
Diese Gesamtflächeninanspruchnahme ist nach meiner Meinung nicht akzeptabel, denn bei Verwirklichung der Planungen wird die Grundlage für eine erhebliche, weitere Verdichtung unserer Region gelegt. Was aber ist der tatsächlichen Bedarf? Überall schießen Wohnungen aus dem Boden und manchmal frage ich mich - wo wohnen die Leute bisher, die diese neuen Wohnungen beziehen. Keine Frage, es gibt Bedarf an bezahlbarem Wohnraum - aber ich bezweifle, dass für den Bedarf der Region gebaut wird. Es ist die Stunde der Investoren. Keine dieser Wohnungen wird leer bleiben, denn die Menschen ziehen dorthin, wo es Wohnungen und möglicherweise Arbeitsplätze gibt. Der Kreislauf heißt: Immer mehr Menschen brauchen immer mehr Wohnungen, mehr Arbeitsplätze, mehr Kindergärten, mehr Autos, mehr Straßen, mehr Energie und so fort - und das konzentriert auf engem Raum. In der Tat ein schwieriges Feld, das maßvolles Vorgehen erfordert. Vor rund 10 Jahren hat der damalige Ministerpräsident Öttinger noch ein Nullflächenwachstum proklamiert. Und alle, Albverein, Naturschutzverbände usw. waren begeistert. Jetzt ist das andere Extrem angesagt. Aber generell gilt: Es liegt an den Gemeinderäten der Kommunen, was jeweils in die Planungen aufgenommen wird. Schön wäre es, wenn dabei keine Maximalforderungen erhoben würden und auch eine Gesamtbetrachtung Berücksichtigung fände. Aber auch die Bürger sind nicht außen vor. Auch sie können nach der Gemeindeordnung im Einzelfall aktiv werden, wenn Planungen ihren Vorstellungen zuwider laufen. Einzufordern aber ist auf jeden Fall eine Gesamtschau zu allen Flächen in der Region, nicht nur für den Nachbarschaftsverband RT/TÜ. Erst dann wird der tatsächliche Umfang der Flächeninanspruchnahme deutlich.
Erich Herrmann, Wannweil

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